Wandel der Gedenkkultur

Die Gedenkkultur im 21. Jahrhundert wird individueller

Dieses wunderschöne Erinnerungszeichen an das Hobby oder Beruf des Verstorbenen haben wir im Mai 2017 auf dem Ohlsdorfer Friedhof fotografieren können. Es zeigt, dass die anonymisierte Schlichtheit von Blumen, Grabstein und Grab aufgebrochen wird hin zu einer menschlichen, individuellen Andenkenskultur. Wir vermuten, dass es solche Bestrebungen schon viele Jahrzehnte vorher gegeben haben könnte, aber die Friedhofsgärtner und Friedhofsverwalter sich auf ihre puritanische, regide Friedhofssatzung zurückgezogen haben und solche Erinnerungszeichen einfach weggeräumt haben. Heute, 2017, ist die Liberalität auf den Friedhöfen deutlich größer geworden.

Wenn der Friedhof qua Satzungszweck die Aufgabe hat, Verstorbene zu bestatten und einen guten Ort für die Trauerkultur zu stellen, so ist es aus einem Dienstleistungsverständnis heraus doch folgerichtig, dass der schöne Grundsatz gelten könnte: “erlaubt ist, was gefällt”.

Wir glauben, dass kein Friedhofsverwalter da mit gehen würde, mit diesem o.g. Diktum, weil sie dann immer krasse, exaltierte Wünsche und Darstellungen von Kunden auf den Argumentationstisch werfen.

Vergleichsmaßstab Wiener Zentralfriedhof

Die Entscheider über das Friedhofswesen sollten alle nach Wien zum Zentralfriedhof fliegen und sich das Grabmal des Bildhauers Alfred Hrdlicka anschauen und dann feststellen, dass die Moral, Sittenkultur auf dem Wiener Zentralfriedhof auch bei solchen Grabskulpturen nicht mehr einen Niedergang erfahren hat, als im 21 Jahrhundert durch den ständigen Werteverfall eh schon zu verzeichnen ist.

Posted by Holger Wende