Sonderausstellung in Kassel

Das Sepulkralmuseum in Kassel lädt ein sich die neu konzipierte Sonderausstellung anzuschauen:

HARRY KRAMER 25.1.1924 – 20.2.1997 – ein Dokumentakünstler wird mit seinem Grabprojekt vorgestellt

20. Februar –24. April 2017.   Hier weitere Informationen zum Kassler Museum für Trauerkultur, link

Mit der Kabinettausstellung würdigen das documenta Archiv, welches das Harry-Kramer-Archiv im Aschrotthaus betreut, die Stadt Kassel und das Museum für Sepulkralkultur den vielseitigen Schauspieler, Tänzer, Puppenspieler, Künstler und Professor für Bildhauerei der Kunsthochschule Kassel Harry Kramer. Er verstarb vor 20 Jahren am 20. Februar 1997.
Die Künstler-Nekropole am Blauen See im Habichtswald Kassel, welche 1992 angelegt wurde, war sein letztes großes Kunstprojekt. „Die Arbeit am eigenen Grabwerk (ist) die einzige Möglichkeit, unabhängig von Auflagen und Aufträgen auf einem Terrain, das nicht von Kulturbürokraten, sondern von Kollegen bestimmt ist, eine Gegenwelt zu realisieren. Wir werden alle sehr nachdenklich, wenn es um ein Monument der eigenen Sterblichkeit oder Unsterblichkeit geht“, so Kramer. Mit der Nekropole wollte er Künstlerinnen und Künstlern eine Möglichkeit bieten, authentische Werke zu schaffen. Bisher konnten 9 Grabmale realisiert werden.
Harry Kramer wurde in der Künstler-Nekropole anonym beigesetzt.
Für Furore sorgten seine in den 1950er und 1960er Jahren entwickelten kinetischen Drahtplastiken. 1964 stellte er auf der documenta 3 in der Abteilung „Licht und Bewegung“ aus.

Seine mit dem Kameramann Wolfgang Ramsbott produzierten fünf kurzen Experimentalfilme wurden mit Preisen geehrt, so etwa der Film „Die Stadt“ (1961), der mit dem US-amerikanischen „Award of Distinction“ ausgezeichnet wurde. Die vier weiteren Filme bringen den Bundesfilmpreis und den „Grand Prix de Leone“
in Venedig. Harry Kramer war mit seinem mechanischen Theater (1952), den sogenannten automobilen Skulpturen und den experimentellen Filmen ein international vielbeachteter Künstler. 1970 folgte er einem Ruf zum Professor an die Kasseler Hochschule für Bildende Künste (der heutigen Kunsthochschule). Seine eigene Kunstproduktion stellte er zurück, um in der Folge gemeinsam mit seinen Studierenden unter dem Namen Atelier Kramer Kunst zu machen und auszustellen. Entstanden sind in den 1970er und 1980er Jahren aufsehenerregende Gemeinschaftsarbeiten, -aktionen und Performances. Er erwarb sich auch hier große Anerkennung.
Alle Initiatoren fühlen sich dem Künstler Harry Kramer sehr verbunden und präsentieren zu seinen Ehren und zu seinem 20. Todestag eine gemeinsame Ausstellung. Eine Kabinettausstellung von Helga Kramer und Anton Kramer, dem documenta Archiv, der Stadt Kassel und dem Museum für Sepulkralkultur.
Eröffnung am Montag, 20.2.2017

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Wikipedia schreibt über das Nekropolenprojekt von Harry Kramer:

Nekropole und Nachlass

Künstler-Nekropole Kassel: Grab-Werk von Timm Ulrichs (* 1940), 1992

Bereits seit den 1980er Jahren betrieb Kramer die Idee der Künstler-Nekropole, eines Künstlerfriedhofs in Kassel, mit der Intention, einen öffentlichen Ort zu schaffen, an dem der Künstler sein eigener, unabhängiger Auftraggeber ist.[16] 1993 wurde die Stiftung Nekropole der Stadt Kassel gegründet, in die Kramer das Kapital einbrachte, das er unter anderem aus dem Verkauf seines Mechanischen Theaters an das Stadtmuseum München und von Kunstwerken aus seinem Privatbesitz, wie zum Beispiel der in Paris aus dem Atelier erworbenen ersten kinetischen Skulptur Tinguelys, erwirtschaftete. Harry Kramer starb 1997 in seinem Haus am Brasselsberg in Kassel. Seine Urne wurde nach dem Wunsch seiner Witwe auf dem Gelände der Künstler-Nekropole im Habichtswald an einem Ort bestattet, der durch die in einen Baum geritzten Initialen seines Namens gekennzeichnet ist.

Sein künstlerischer Nachlass, im Besitz der Stiftung Nekropole, wird vom Kunstverein der Kunsthalle Lingen in Kramers Geburtsstadt Lingen verwaltet und dort im Wasserturm auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks in einer Dauerausstellung gezeigt.[17] Dokumente und im privaten Besitz Kramers verbliebene Werke übergab seine Witwe Helga Kramer 2006 dem documenta Archiv in Kassel.[18]

 

Posted by Holger Wende