Museum für Bestattungkultur Kassel

Das einzige und sehr gut ausgestattete und durchdachte Museum für Bestattungskultur, Trauerkultur und Grabmale befindet sich in Kassel. Es wird zu gewichtigen Teilen von der Bundesregierung gefördert. Der amtliche Name ist Sepulkralmuseum – hier der link zum Museum. Das Museum wurde 1992 erreichtet. Es gibt sogar einen Facebook-Eintrag: hier klicken. Der Besuch lohnt sich, weil es nicht nur Särge aus dem Mittelalter zu bestaunen gibt, sondern auch die berühmten Ghana-Särge, über die wir hier schon einen Beitrag geschrieben haben- link. Das Museum beschäftigt sich, am Hang gelegen, über mehrer Stockwerke mit Grabsteinen, Bestattungskutschen und vermeintlichen Geistern, die man in den letzten Jahrhunderten zu besiegen suchte mit Pfählungen und anderen Zaubertricks. Gleichzeitig werden aber neue Bestattungsformen aufgegriffen, wie die unendliche Kühlung in Gefrierräumen, die angeblich den Körper wiederbeleben können, wenn die Medizintechnik deutlich verbessert wurde. Die gesellschaftliche Fragestellung, ob zukünftige Generationen ein Interesse haben Tote “wiederaufzuwecken”, wird natürlich damit nicht beantwortet. (Solche Bestattungen sind in Deutschland nicht zulässig)

Auf ihrer Website schreiben sie über sich:

Es gibt zwei entscheidende Impulse für die Fortentwicklung der Kultur: Die Liebe – und den Tod!
Dem Tod in all seinen Facetten widmet sich das Museum für Sepulkralkultur, einem Thema, das bei vielen Menschen Emotionen, vielleicht sogar Sorge und Angst hervorruft. Wer das Museum besucht hat, wird an der Ausgangstür mit den Worten verabschiedet: Leben Sie wohl!
Die Endlichkeit des Lebens mag auf den ersten Blick bedrückend sein, aber sie verleiht ihm auch seine unwiederbringliche Einmaligkeit.

Das 1992 eröffnete Museum ist ebenfalls einmalig und aus der jahrzehntelangen Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. hervorgegangen. Macht erst der Tod deutlich, was Leben eigentlich ist, dann ist das Museum auch eines für das Leben, und so begegnet einem hier manchmal sogar die Liebe – oder der Eros.
Seit  der Renaissance haben sich viele Künstler dem Thema Tod und Mädchen gewidmet.

Manchmal zeigt der Tod seine heitere Seite, oder die Menschen wehren sich mit Gelächter gegen ihn. Und wie die Kirche einst das Osterlachen kannte, so ist das Lachen auch im Museum für Sepulkralkultur nicht untersagt.

Das Museum hat auch den Kindertrauerkoffer erfunden und verfügt über eine einzigartige Bibliothek.

Wir zitieren von deren Webseite zur Ihrem konzeptionellen Ansatz : ”

Vom Grundsatz her versteht sich das Museum für Sepulkralkultur als kulturhistorisches Museum, das den Besucherinnen und Besuchern die Begegnung mit der reichen Tradition der Sterbe-, Bestattungs- und Trauerkultur ermöglichen will. In Anbetracht der hohen gesellschaftlichen Relevanz will es zugleich Denkanstöße für die Gegenwart geben.

Die musealen Prinzipien Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln gelten uneingeschränkt. Trotz seines besonderen Gegenstandes ist das Museum für Sepulkralkultur ein Museum wie jedes andere auch.

In der Dauerausstellung zeigt das vergleichsweise junge Museum einen Ausschnitt seines Sammlungsbestandes. Die aktuellen Sonderausstellungen ergänzen das Spektrum durch historische, künstlerische und thematische Akzentsetzungen und Vertiefungen.

Wichtig ist die wissenschaftliche Erschließung der Sachzeugnisse der Sepulkralkultur durch Ausstellungskataloge sowie die Publikationsreihen Kasseler Studien und Kasseler Manuskripte zur Sepulkralkultur. Regelmäßig werden ausgewählte Sammlungsstücke in  der Zeitschrift Friedhof und Denkmal vorgestellt.

Nicht minder wichtig ist die Vermittlung durch Führungen sowie Veranstaltungen und ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm.

Das leitende Interesse seiner Tätigkeit ist in den Leitlinien formuliert.

Was heißt eigentlich Sepulkralkultur?

Der Begriff Sepulkralkultur

Das Begriff Sepulkralkultur  leitet sich vom lateinischen sepulcrum ab und bedeutet Grab, Grabstätte und umfasst alle kulturellen Erscheinungen im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Bestatten, Trauern und Erinnern: Gräber, Särge und Bestattungsriten und -bräuche, auch Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler und kann so im weitesten Sinne auch als Trauer- und Begräbniskultur verstanden werden.

In der Sepulkralkultur spiegeln sich der kulturelle Stand, die religiöse Einstellung, das Verhältnis zu Geschichte und Natur, die soziale Haltung sowie künstlerisches und kunsthandwerkliches Niveau einer Epoche. Kein anderes Wort umfasst dieses Gebiet so vollständig wie der Begriff Sepulkralkultur, für die Initiatoren ein wichtiger Grund, Institut und Museum so zu benennen.

Posted by Holger Wende