Mitgliederversammlung Friedhof Ohlsdorf Förderverein

Am 26.3.2107 hat die informative Mitgliederversammlung des Friedhof Ohlsdorf Fördervereins im Bestattungsforum Ohlsdorf stattgefunden.

Bei strahlendem Sonnenschein hat der Friedofsleiter a.D. Herr Garwiluk über die neuen Strömungen im Friedhofswesen einen informativen Vortrag gehalten. Nicht richtiger Freund ist er von den modernen Bestattungswäldern, wie Ruheforst und Friedwald, weil er sich als ehemaliger Beamter der Stadt Hamburg darüber mokierte, dass die Grundstückseigentümer so wenig Geld von den Lizenzrechts-Verleihern, Friedwald, und Ruheforst abbekämen. Er meinte, dass die Waldbestattungen faktisch aber nur 3 % Marktanteil hätten, wenn man sich die Bestattungswelt bundesweit anschauen würde. Ganz spannend war der Impuls vom Meladenfriedhof in Köln, der durch die Preispolitik es geschafft hat, den Anteil der Erdbestattungen deutlich zu steigern. Der Referent geißelte die Dumpingangebote aus dem Ausland und die Krematorien, die gleich eine „Entsorgung“ auf dem Acker nebenan anböten. Der Referent behauptete, dass die virtuellen Friedhöfe in einem großen Aufwind wären. Können wir nicht wirklich nachvollziehen, denn Friedhöfe sind Begräbnisorte für Verstorbene und ein virtueller Friedhof kann so was keinesfalls leisten. Bestenfalls kann der ein rudimentäre, substanzloser Trauerort sein oder werden. Auch wurde eine schockierende Tatsache verkündet, dass vermutlich 90 % aller Friedhöfe nicht kostendeckend arbeiten könnten.

Die Friedhofskosten sind Teil der öffentlichen Verantwortung und der Daseinsfürsorge des Staates für seine Bürger

Das ist nach unsere Einsicht unter Umständen die falsche Herangehensweise. Die öffentliche Hand hat eine staatliche Kernaufgabe, die Daseinsfürsorge für die Bürger der Stadt zu gewährleisten. Dazu zählt eine funktionierende Wasserversorgung, eine Müllabfuhr, eine Garantie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und natürlich auch ein ausreichend großes Angebot von Begräbnisplätzen. Wenn durch die Gebührenerhebung nicht genug Geld in die Kasse des Friedhofes fließt, dann muss man entweder die Strukturen und Abläufe auf dem Friedhof straffen und weniger Menschen beschäftigen, und wenn an der Schraube nicht mehr drehbar ist, sollte man die Kommune für die Kosten aufkommen lassen. Eine extrem reiche Stadt, wie Hamburg hätte dafür auf jeden Fall genug Geld. Wenn man bedenkt, dass eine Erdbeisetzung auf dem Ohlsdorfer Friedhof über 2000 € kostet, so fragt man sich, wie man als Normalverdiener solche Summen stemmen können soll. Der genannte Betrag bezieht sich nur auf die Ruhezeit von 25 Jahren ohne die Kosten des Bestatters.

Genau diesen oben beschriebenen Weg ist auch der Referent als Gutachter gegangen und hat viele kleine Dorffriedhöfe in eine neue Rechtsform überführt und dann die Kommunen an den Friedhofskosten sich beteiligen lassen. Ein Erfolgsmodell.

Liberalisierung der Friedhofszulassungs-Gesetze durch TTIPP

Auch spannend war der Hinweis, dass in dem Freihandelsabkommen „TTIPP“ ( Transatlantisches Freihandelsakommen) öffentliche Dienstleistungen, wie z.B. auch Friedhöfe, unter die Liberalisierungsmöglichkeiten fallen würden. Das hieße, dass auch endlich andere Friedhofsbetreiber zugelassen werden würden, wie große Privatunternehmen. Der Referent fand das natürlich schlimm, aber letztendlich zählt doch, was für die Kunden gut ist und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass valide und großbelastbare Bestattungshäuser sehr schöne, kundenfreundliche Friedhöfe schaffen könnten.  Noch gibt die Gesetzeslage aber die Option nicht frei. Auch TTIPP ist noch lange nicht verabschiedet.

Mensch-Tier-Friedhof

Nach Meinung des Referenten könnte es bald zu einem Trend werden, dass Menschen und Tiere auf einem Grab gleichzeitig beigesetzt werden können. In Essen und Braubach ist das inzwischen möglich. Nach unserer Einsicht spricht da überhaupt nichts gegen.  Die zweitjüngste Teilnehmerin wollte wissen, warum man denn dann immer die Tiere kremieren müsse, denn auf dem Tierfriedhof in Norderstedt hätte sie ihre Katze auch so beisetzen können. An der Stelle verbreitete sich großes Schweigen im Saal , denn das Anliegen ist völlig berechtigt. Wenn es Erdbeisetzungen für Menschen gibt, warum sollte das dann, wenn es grundsätzlich für Tiere möglich wäre, nicht auch für Tiere gehen können?

Transformation des Friedhofes in eine Parklandschaft…..?

Jeder Friedhof, so seine Empfehlung, sollte einen „philosophischen Ansatz“ haben, oder zumindest eine Leitlinie. So wäre es sehr klug, wenn bei den gigantischen Überhangflächen die Friedhöfe auf die Ebene kommen würden, dass sie auch Park seien und damit eine weitere Begründungsebene für den Friedhof an-sich und die Ausdehnung zu liefern.

Mitgliederversammlung Friedhof Ohlsdorf Förderverein

Der Verein hat viele hundert Führungen auf dem Ohlsdorfer Friedhof durch seine Mitarbeiter durchgeführt. Gleichzeitig gibt es ein Stein-Sicherungs-Konzept, dass alle ca 5000 Grabsteine, die pro Jahr vom Ohlsdorfer Friedhof entfernt werden, begutachtet werden und ggf. dem Friedhof vorgeschlagen werden als kulturhistorisch wichtig und schützenswert. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist das ein gigantischer Aufwand und die kleiner Schaar der Mitarbeiter des Friedhofsfördervereins stemmt diese Aufgabe bestens. Gleichzeitig werden fünf Grabstein, bzw Grabanlagen aufwendig aus den Mitteln des FOF renoviert. An diesen o.g. Stellen leistet der Verein einen wirklich tragkräftigen, tatkräftigen Beitrag zur Bestattungskultur in Hamburg.

Kleines Blumengeschenk vom GBI Großhamburger Bestattungsinstitut

Posted by Holger Wende