Kommunikation am Grab

In einem querdenkenden Beitrag der “Bestattungkultur 2/2017” aus Düsseldorf schreibt ein Bestatter vom Rhein ein Plädoyer für eine offene Art der Trauerkommunikation. Ein ganz besonderer Dorn in seinen Augen ist der Satz und der Gedanke, der in Traueranzeigen in der Zeitung steht, oder auf dem Trauerdruck:

“Von Beileidsbezeigungen am Grab bitten wir abzusehen”.

Der Bestatter Johannes Ahlbach vertritt die richtige Meinung, dass das Reden am Grab und in der Zeit der Trauer nach der Beisetzung ein essentiellen Teil der Kommunikationskultur ist. Die Ansprache ist ein Teil des Trostes. Sehr schön pointiert er diese Verweigerungs-Ansage “Von Beileidsbekundigungen bitten wir abzusehen” mit dem Gedanken: “Auf einer Geburtstagseinladung schreibt man auch nicht von Gratulationen bitten wir abzusehen”.

Wir leben in einer Kommunikationsgesellschaft, immerwährend werden wir von emails, SMS, whatsapp und dergleichen umflort und umgeben. Da sollte man ausgerechnet am Grab, bei einer echten, direkten Live-Kontakt-Möglichkeit dieses ausschlagen und verweigern?  Das führt doch nahezu zwangsläufig zu einem fatalen und falschen Ergebnis. Einer Trauerblockade und einer Ausgrenzung des Todes, des Unabänderlichen.

Wir möchten die Trauerkultur befördern, dass Augenmerk darauf richten, dass wir den Tod mehr akzeptieren und vielleicht sogar als einen normalen Teil des Lebenskreislaufs ansehen im Sinne der mittelalterlichen “Ars Moriendi” und dann Verweigern wir uns der Kommunikation am Grab? Selbstverständlich ist es schwer, sich auch in Worten zu verabschieden, von dem Verstorbenen und von den Angehörigen, aber das ist doch genau der Prozess, den man umschreiben könnte als Kern von Gemeinschaft – die gemeinsame Kommunikation.

Insbesondere das Schweigen im Umfeld des Todes ist verletzend für die Hinterbliebenen. Man hört Geschichten, dass  Menschen die Straßenseite wechseln, wenn man einer Witwe begegnen könnte. Dahinter steht nichts weiter als die Sprachlosigkeit, die aber nur eingebildet ist.

Einen sehr schönen Ratgeber für Kondolenzgedanken in schriflicher Form können Sie hier finden, link.

Woher kommt das Wort Kondolieren?

Kondolieren ist eine gute und jahrhunderte alte Tradition am Grab. Man drückt seine Anteilnahme aus. Das Wort kommt aus dem Lateinischen, schreibt Wikipedia: ” condolere → la „mitfühlen, Mitleid haben“, das aus den lateinischen Wörtern con- → la „mit“ und dolere → la „Betrübnis, Schmerz empfinden“ zusammengesetzt ist[1][2]Anderen Quellen zufolge wurde es aus mittelfranzösisch se condoloir → fr „seinen Schmerz ausdrücken“ entlehnt[3]

Ausnahme: die aufgesetzten Kondolenz bei sehr großen Trauerfeiern

Bei sehr großen Feiern, wenn überwiegend für die Familie unbekannte Geschäftsfreunde und anderweitige Geschäftsleute zur Trauerfeier kommen, ist so ein Satz angebracht. Die Begründungsebene ist wie folgt darzulegen:  Die Kondolenzbekundigungen entsprechen eher formalen Gepflogenheiten und nicht einem inneren Bedürfnis.

Bildrechte Pixabay CC WaltiGoehner

Posted by Holger Wende