Die Geschichte des Todes

Der französische Historiker und Mittelalterforscher Philippe Ariès hat ein Standardwerk über die Geschichte des Todes 1982 geschrieben. Dass es sich bei diesem Wälzer um einen Goldstandard handelt zeigt auch die 11. Auflage des Buches, dass inzwischen als umfängliches Taschenbuch, 848 Seiten, erhältlich ist. Hier der Amazon-link. Ich habe das Buch vor 20 Jahren gelesen und noch heute sind mir die detailreichen Passagen über die Trauerkultur der Vergangenheit in Frankreich sehr gegenwärtig. Die Untersuchung über die Rituale und die Gebräuche rund um den Tod basieren auf historischen und literarischen Quellen. Immer wird versucht eine gute Begründungsebene zu lieferen. Beispielsweise wird erklärt, warum der überraschende Tod, mors repentina, gesellschaftlich ein zu vermeidendes Todes-Szenario war. Selbstverständlich werden vornehmlich Rituale und Trauerfeierformen des Adels und der Kirche, sprich Kurie dargestellt, weil sich diese Kreise eine umfängliche Ausgestaltung des Übergangs leisten konnten und dies auch gut dokumentiert ist.

Das Buch “Geschichte des Todes” liest sich nicht einfach weg, weil es schlichtweg ein wissenschaftliches Buch ist. Dennoch sind viele Gedanken überzeugend und deswegen lohnt es sich in die Tiefe der damaligen Rituale einzutauchen. Gleichzeitig kann man aus dem damals Durchgeführten lernen, um für die heutige Zeit neue Impulse zur Beförderung der Bestattungskultur zu gewinnen.

Was sehr sehr viele Menschen vergessen ist, dass der Großteil der Bevölkerung nicht eine individuelle Begräbnisstätte über Jahrhunderte belegen konnte, sondern oftmals in großen Sammelgrabanlagen begraben wurde. Selbst Mozart wurde in dieser Weise verscharrt. Das geschah aus Armut. Auch heute gibt es in jeder Stadt und in jedem Bundesland Amtsbestattungen, die für diejenigen Verstorbenen, die keine bestattungspflichtigen Angehörigen haben. Über Amtsbestattungen können Sie hier weiterlesen.

Über den Bestattungsberuf

So ist der Bestatter-Beruf auch erst vor 200 Jahren entstanden aus der Handwerkszunft Schreiner. Eine Ausbildung zum geprüften Bestatter kann man erst im 21. Jahrhundert beginnen, denn erst seit 2002 wird der Ausbildungsberuf von den jeweiligen Handwerkskammern gelistet.  Inzwischen gibt es eine Reihe von Weiterqualifizierungsmöglichkeiten. Es gibt Bestattungsfachwirte, und “funeral masters”, auch Bestattermeister werden von verschiedenen Landesverbänden und Innungen ernannt. In Hamburg gibt es seit 2015 die Bestatter Innung, die bei der Handwerkskammer angesiedelt ist. Max Weber würde diese Ausdifferenzierung sicherlich umschreiben als Fachbeamtentum. Als Verein legen wir wert nur mit gut ausgebildeten Bestattern zusammenzuarbeiten, den sogenannten Qualitätsbestattern, die über Kräfte verfügen, die nach den Richtlinien des Bestatterverbandes ausgebildet und vor der Handwerkskammer geprüft worden sind.

Amazon schreibt über das Buch:

In zwanzigjähriger Forschungsarbeit hat Ariès eine Fülle archäologischer, literarischer und liturgischer Quellen gesichtet, Sterberiten und Bestattungsbräuche untersucht, die Geschichte der großen städtischen Friedhöfe studiert und zahlreiche Testamente durchforscht. Entstanden ist eine Geschichte der Einstellungen des Menschen zum Tod und zum Sterben. Fast zwei Jahrtausende lang – »von Homer bis Tolstoi« – blieb im Abendland die Grundeinstellung der Menschen zum Tod nahezu unverändert. Der Tod war ein vertrauter Begleiter, ein Bestandteil des Lebens, er wurde akzeptiert und häufig als eine letzte Lebensphase der Erfüllung empfunden. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich ein entscheidender Wandel vollzogen. Der Tod ist für den heutigen Menschen angsteinflößend und unfaßbar, und er ist außerdem in der modernen, leistungsorientierten Gesellschaft nicht eingeplant. Der Mensch stirbt nicht mehr umgeben von Familie und Freunden, sondern einsam und der Öffentlichkeit entzogen, um den »eigenen Tod« betrogen.

Wie man bei Wikipedia über Phillipe Aries nachlesen kann war er ein enger Freund des französischen Philosophen

Michel Foucault, dem Poststrukturalisten

 

Posted by Holger Wende